05.09.2011 im Boxendorf in Baden-Baden: Abschied von Night Magic.

Die letzten Worte und Streicheleinheiten von Besitzer Hans-Gerd Wernicke (Stall Salzburg), von Tomas Homola, dem persönlichen Betreuer und seiner Frau Yveta sowie von Jockey Karoly Kerekes.

Danke, NIght Magic!

 

Fotos unten: Hier sind wir schon in Chantilly, wo Night Magic vor ihrer Abreise nach Japan etwa 2 Monate Quarantänezeit durchläuft.

Emotionaler Abschied von Night Magic

 

Am letzten Tag der Großen Rennwoche in Iffezheim, dem bei Baden-Baden gelegenen deutschen Turfmekka, gab Night Magic ihren Abschied von den deutschen Turf-Fans. Die fünfjährige Sholokhov-Tochter, zweifache Gruppe I-Siegerin und Galopperin des Jahres 2009, zeigte als Zweite im Großen Preis von Baden, den sie 2010 gewonnen hatte, noch einmal ihre große Klasse.

 

Nur sechs Teilnehmer umfasste das kleine aber feine Starterfeld. Der englische Gast Joshua Tree und die in japanischen Besitz befindliche und in Frankreich trainierte Maria Royal gaben dabei dem Rennen die Internationale Note. Auch Derbysieger Waldpark und die dreijährige Stute Danedream, Siegerin des Großen Preises von Berlin Ende Juli, wollten Night Magic auf den Zahn fühlen. Das Team um Night Magic beschloss bereits im Vorfeld sich in dem kleinen Feld auf kein taktisches Geplänkel einzulassen. Jockey Karoly Kerekes sollte das enorme Galoppiervermögen der Stute ausspielen und versuchen das Rennen Start-Ziel nach Bayern zu holen.

 

Nach dem Start wurde Night Magic daher konsequent nach vorne dirigiert und schlug gleich einen guten Takt an. Als es bei strömenden Regen das erste Mal an den Tribünen vorbei ging, war das Feld schon weit auseinander gezogen. Auch durch die Gegengerade marschierten alle Pferde im Gänsemarsch. Doch bereits Ende des Schlussbogens rückte auf dem aufgeweichtem Geläuf auf einmal Danedream in bestechender Haltung hinter Night Magic auf. Ihr Jockey Andrasch Starke hatte bereits Mühe die Stute noch ein wenig zum Warten zu überreden. Als er ihr dann Eingangs der Zielgeraden den Kopf freigab, flog Danedream nur so dem Ziel entgegen und gewann überlegen mit sechs Längen. Night Magic kämpfte dahinter wie eine Löwin und sicherte sich weitere sieben Längen vor dem deklassierten Rest den zweiten Platz.

 

Es war ein unglaubliches Rennen und den 14.000 Zuschauern stockte bei soviel Stutenpower regelrecht der Atem. Danedream bekam für diese Leistung hinterher eine GAG-Marke von 100,5 kg zugeteilt. Nur die famose Borgia aus dem Gestüt Ammerland kam 1997 seit Einführung des Internationalen Klassements 1977 auf diese für eine dreijährige Stute außergewöhnlich hohe Marke. Danedreams Trainer Peter Schiergen aus Köln überlegt nun die Stute vielleicht für den Prix de l’ Arc de Triomphe in Paris-Longchamp nachzunennen.

 

Bereits zwei Tage nach dem Rennen wurde bekannt, dass Night Magic als Zuchtstute an Katsumi Yoshida nach Japan verkauft wurde.

Sie reiste von Baden-Baden aus direkt nach Chantilly weiter, um in dem bei Paris gelegenen Trainings-Center die nötige Quarantäne-Phase zu durchlaufen. Besitzer Hans-Gerd Wernicke mit Ehefrau sowie Trainer Wolfgang Figge, Jockey Karoly Kerekes und Racing Manager Harald Schneider verabschiedeten sich einem Tag nach dem Rennen bei den Gastboxen in Iffezheim von Night Magic. Sehr emotional fiel allen Beteiligten der Abschied sichtlich schwer. Für Besitzer und Trainer war sie das Pferd ihres Lebens.
Ihr langjähriger Trainingsreiter und Pfleger Tomas Homola begleitete die Stute noch nach Paris und gab den neuen Verantwortlichen wertvolle Tipps im Umgang mit der nicht immer ganz einfachen Stute.

 

Bei ihren zwanzig Starts zwei- bis fünfjährig errang Night Magic sieben Siege und lief 774.800 Euro Gewinnprämie ein. Allein zehnmal lief sie auf aller höchster Ebene in Gruppe 1-Rennen und errang dort neben ihren zwei Siege weitere sechs Platzierungen, unter anderem noch zweite Plätzte im Premio Lydia Tesio in Rom, Preis von Europa in Köln und im Großen Dallmayr-Preis auf der Heimatbahn in Riem. Ihre höchste Einstufung bekam Night Magic Vierjährig mit einem GAG von 98,5 Kilo. Besitzer Hans-Gerd Wernicke hätte es wohl lieber gesehen, wenn seine Stute in der deutschen Vollblutzucht geblieben wäre. Angebote dieser Art blieben allerdings aus. Wernicke hatte die Stute als Jährling zum Preis von 43.000 Euro erworben. Der heutige Verkaufspreis dürfte vermutlich bei gut einer Million Euro liegen, auch wenn weder Besitzer noch Trainer Angaben über den tatsächlichen Verkaufspreis tätigten.

 

Hans-Gerd Wernicke, immer ein Mann von klaren Worten und festen Vorstellungen, lies es sich einen Tag vor dem Großen Preis von Baden-Baden nicht nehmen, bei der Jährlingsauktion einen Vollbruder von Night Magic zu erwerben. Der junge Hengst mit Namen Night Wish wurde dem Stall Salzburg für 200.000 Euro zugeschlagen und trat bereits am gleichen Abend die Reise in die neue Heimat nach München-Riem an. Dort soll er in der gleichen Boxe wie einst seine große Schwester Night Magic zum neuen Star des Stalles Salzburg werden. Wir freuen uns schon jetzt, wenn der Hengst in ein bis zwei Jahren seinen ersten hoffnungsvollen Rennbahnauftritt gibt und wünschen dafür schon jetzt „Hals & Bein“.

 

Andrea Schneider